Weihnachten mit Rembrandt

Das 17. Jahrhundert ist in den Niederlanden eine Zeit stürmischer Umbrüche: Auf dem Feld der Religion ist das Land nach vielfältigen Turbulenzen zwischen Calvinisten, Katholiken, Mennoniten und vielen weiteren religiösen Gruppen so tief gespalten, dass religiöse Toleranz zur existentiellen Frage wird. Mit der Föderation niederländischer Provinzen wagt das Land ein riskantes republikanisches Experiment, während es sich international rasch zu einer Handels- und Kolonialmacht entwickelt. Damit gehören die Niederlande zu den wichtigsten Mächten der Frühen Neuzeit und bestimmen diese Phase maßgeblich mit.

Sozial entwickelte sich in der Provinz Holland, insbesondere in Amsterdam, eine Konsumgesellschaft völlig neuen Ausmaßes. Dass dabei der Malerei und Druckgrafik eine große Bedeutung zukam, hängt vor allem auch mit den Radierungen Rembrandt Harmenszoon van Rijns (1606-1669) zusammen. Seine Werke avancieren zum Bestseller jener Zeit und machen ihn zu einem der bekanntesten und bis heute berühmtesten sowie in seiner Zeit meistverkauftem Künstler. Rembrandt nahm am gesellschaftlichen Leben teil, beteiligte sich an politischen, sozialen und religiösen Debatten und radierte: sich selbst, seine Stadt und seine Zeit.

Die Ausstellung Weihnachten mit Rembrandt zeigt Bilder aus der Göttinger Kupferstichsammlung. Rembrandts Porträts und Landschaften verdeutlichen ebenso wie seine Darstellungen menschlicher Leidenschaften oder seine visuellen Selbstinszenierungen die Vielfalt und Dynamik der Republik. Damit bieten sie Einblicke in sein grafisches Werk und zugleich auch in das stürmische und von Umbrüchen geprägte 17. Jahrhundert.

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit von Prof. Dr. Martin van Gelderen (Göttingen), Gert W. Schwab † (Göttingen), Prof. Ivan Gaskell (New York) und Dr. Anne-Katrin Sors (Göttingen) konzeptuell entwickelt. Der 2025 verstorbene Schwab, der für seinen experimentellen Ansatz in der Fotografie bekannt war, hat Rembrandts Radierungen für die Ausstellung mit modernen Technologien kombiniert und neu inszeniert. Es ging ihm dabei um mehr als eine Vergrößerung klassischer Motive, denn indem er Farben und Schattierungen subtil bearbeitete, hat er Rembrandts Spiel mit Licht und Schatten um die Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts erweitert.

Die Ausstellung wird vom 13. November 2025 bis 12. Februar 2026, jeweils donnerstags und freitags von 14 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 17 Uhr im Göttinger Verlag der Kunst, Geiststrasse 11, gezeigt. Der Zugang in die Ausstellung ist leider nicht barrierefrei.

Der Eintritt ist frei. Sonderführungen sind möglich, sie können per Mail unter rembrandt@erasmianmartin.world vereinbart werden.

Weitere Infos finden sich unter https://www.gvdkunst.de/c/ausstellung-weihnachten-mit-rembrandt

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