Unter dem Motto „Mathe, Mädels, Möglichkeiten“ haben zwei Göttinger Doktorandinnen erstmals einen einwöchigen Workshop für Schülerinnen der Klassenstufe neun angeboten. 23 Jugendliche aus Südniedersachsen knobelten eine Woche lang an anwendungsbezogenen Aufgaben: Sie berechneten die Aerodynamik von Flügeln, erstellten ein Brettspiel, planten eine Stadt und chiffrierten eine Verschlüsselungstechnik.
„Mit unserem Angebot wollten wir uns gezielt an Schülerinnen richten, die Interesse an Mathe haben, aber nicht unbedingt Erfahrungen mit Mathe-Wettbewerben haben“, sagt Daria Roters, die am School Lab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet und an der Universität Göttingen promoviert. Sie hat das Projekt zusammen mit ihrer Kollegin Milena Weiershausen konzipiert. Für die Organisation vom Workshop wurden die beiden von Studentinnen und Doktorandinnen der Mathematik sowie von weiteren Angestellten des DLR School Labs unterstützt. Weiershausen, die auf dem Gebiet der reinen Mathematik promoviert, ergänzt: „Ab der achten Klasse sinkt der Anteil an Mädchen, die sich für Mathe begeistern. Wir wollen Mädchen ermutigen, dabei zu bleiben und ihnen die Möglichkeit geben, Freundinnen mit ähnlichen Interessen zu finden.“
Fünf Tage lang arbeiteten die Schülerinnen in vier Teams an ihren Aufgaben. Übernachtet wurde in der Göttinger Jugendherberge, die Schulen hatten die Mädchen in dieser Zeit vom Unterricht freigestellt.

Alissa aus Göttingen und Maryam aus Hann. Münden haben Flügelprofile designt, Prototypen aus Styrodur angefertigt, im Windkanal des DLR gemessen und den optimalen Hochpunkt am Flügel berechnet. Stolz präsentieren sie ihre Arbeit zum Abschluss in einer Postersession vor Eltern, Freund*innen und Geschwistern. „Es hat viel Spaß gemacht“, so Alissa. Beide können den Workshop „auf jeden Fall“ empfehlen.

Einen Tisch weiter wird schon das Brettspiel von Pauline und Theresa aus Bad Sachsa und Alexandra aus Göttingen gespielt. Die Stellwand daneben zeigt die komplexen Berechnungen, die hinter dem Spieleaufbau stecken.

„Wenn euch strukturiertes, detailliertes Denken interessiert, dann seid ihr in der Mathe richtig“, gibt die Göttinger Stochastikerin Prof. Dr. Anja Sturm den jungen Frauen zum Abschluss mit auf den Weg. „Lasst euch nicht einschüchtern, wenn ihr mal nicht alles auf Anhieb versteht. Traut euch das zu und bleibt hartnäckig.“ Roters und Weiershausen wollen den anwendungsbezogenen Workshop im kommenden Jahr wiederholen. „Es ist eine andere Atmosphäre, wenn die Veranstaltung nur für Schülerinnen ist“, sagt Weiershausen. „Die Mädchen sind weniger schüchtern.“
