Die Barbourjacke im Roman „Faserland“, der Kolonialdiskurs bei „Effi Briest“ und das Wetter in der Novelle „Tod in Venedig“ – solche Aspekte sind für die literaturwissenschaftliche Analyse eines Textes wichtig. Warum das so ist, erklärt der Göttinger Podcast „Kannst du mir folgen?“.
Darin stellen Studierende Interpretationsmöglichkeiten von bekannten Werken der Literaturgeschichte vor und laden Expert*innen ein, die zu den jeweiligen Texten gearbeitet haben. Das ist anspruchsvoll, macht neugierig auf mehr und kommt vor allem gut an: Im Schnitt wird jede Folge mehr als 500 Mal abgerufen, Tendenz steigend.
„Wir richten uns an alle, die an der Interpretation von Literatur interessiert sind“, sagt Elisa Frevert. Sie studiert im Master Deutsch und Französisch auf Lehramt und ist seit Februar 2024 im Podcastteam. „Es gibt viele Podcasts über Literatur. Bei uns dagegen besprechen wir mit unseren Interviewpartner*innen Fragen zur Literaturwissenschaft.“ Viele Kommiliton*innen zählen zu den regelmäßigen Hörer*innen, dazu kommen Studierende anderer Fächer, Wissenschaftler*innen, aber auch Schüler*innen und weitere Interessierte.
Der Podcast wurde 2020 von Studierenden gegründet. Über mehrere Semester warb die Gruppe erfolgreich Mittel aus dem Wettbewerb „Kreativität im Studium“ ein. Seit 2023 ist der Podcast offiziell an das Seminar für Deutsche Philologie und dort an der Professur von Prof. Dr. Tilmann Köppe angebunden. Hier wird er von den wissenschaftlichen Mitarbeitenden Jana Eckardt und Dr. Stefan Descher betreut. Inzwischen sind gut ein Dutzend Episoden entstanden.
Zwei Sendungen produziert das Team im Jahr. Textauswahl, Recherche nach einer oder einem Gesprächspartner*in, der Fragenkatalog für das Interview – alles wird gemeinsam entwickelt. „Wir lernen ganz anders als im Seminar, wenn wir uns mit den Texten auseinandersetzen“, sagt Elisa. „Das geht mehr in die Tiefe und man traut sich auch eher, was zu sagen.“ Teamkollegin Sophie-Marie Ahnefeld, die im Master Neuere Deutsche Literatur studiert, ergänzt „Dabei gibt es wenig Hierarchie: Jede*r übernimmt jede Aufgabe.“
Das gilt auch für den technischen Teil, die Aufnahme und das Schneiden. Das Equipment für die Arbeit kann die Gruppe in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek und seit neuestem auch im Seminar für Deutsche Philologie ausleihen. Wenn der neue Podcast fertig ist, wird er über die Social Media-Kanäle beworben. Ein besonderes Highlight war bisher ein Live-Podcast auf der Nacht des Wissens im vergangenen Jahr. „Der Raum war komplett voll mit Studierenden und Dozierenden“, erinnert sich Elisa. Auch diese Episode ist online abrufbar.
„Ich habe viel gelernt über Projektentwicklung von Anfang bis Ende“, resümiert Ahnefeld, die seit April 2025 dabei ist. „Diese Erfahrungen sind sehr wertvoll auch für andere Bereiche“. Der Podcast sei ein cooles Format der Wissensvermittlung. „Es ist schön, dass das, was wir im kleinen Kreis machen, auch für Außenstehende interessant ist.“ Langfristig will sie sich im Journalismus eine Perspektive aufbauen. „Da ist der Podcast eine sehr gute Vorbereitung“, sagt sie.
Reinhören? Hier geht es zum Podcast (Grafik anklicken):

