Heimkehrerin und Spätheimkehrer auf dem Campus?

Manche Studierende mögen sich regelmäßig als Heimkehrende fühlen oder gar so bezeichnen – als Heimkehrer*in im Elternhaus in den Semesterferien, auf dem Campus zu Semesterbeginn, vielleicht auch als Spätheimkehrer*in nach einer (zu) langen Partynacht. Wenn wir Wörter wie dieses nutzen,  haben sie eine Geschichte, die oft sehr lange, manchmal ganz kurze, häufig überraschende Wendungen enthalten. Geschichten wie der von Heimkehrer‹ spürt der Göttinger Podcast „Wortgeschichte – Eine Reise in die Welt der Bedeutung“ nach, dessen zweite Staffel seit dem 10. April 2026 in zweiwöchentlichen Episoden veröffentlicht wird.

Im Zentrum der einzelnen Folgen steht jeweils die Geschichte eines Wortes. Passend zum Semesterbeginn widmet sich die erste Folge dem Ausdruck Heimkehrer. Die Reise in die Geschichte dieser Personenbezeichnung führt zunächst ins 19. Jahrhundert: Hier steht das Wort recht allgemein für Personen, die nach Hause zurückkehren. Wenn Studierende also heute als Heimkehrer*in ins Elternhaus oder auf den Campus bezeichnet werden, dann entspricht dies dieser ältesten Lesart des Wortes.

Daneben entsteht zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine weitere Bedeutung, die heute wohl die meisten Menschen mit dem Wort verbinden: Kriegsheimkehrer. Die Auftaktepisode der zweiten Staffel schaut sich auch an, wann und in welchen historischen Kontexten diese neue Lesart entsteht. In diesem Zusammenhang wird außerdem ein Blick auf das Kompositum Spätheimkehrer geworfen. Die vielleicht überraschendste Wendung dieser Wortgeschichte ist, dass das zunächst ausschließlich auf Kriegsheimkehrende bezogene Substantiv in jüngerer Zeit auch auf Partyrückkehrende zum Beispiel nach einer studentischen Kneipentour übertragen werden kann!

Der Podcast wird vom Projekt „Wortgeschichte digital“ produziert, einem an der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen beheimateten Online-Wörterbuch. In dem Projekt untersuchen Wissenschaftler*innen die Geschichte zentraler Wörter des Deutschen von 1600 bis heute nach Themenfeldern. Derzeit wird das Themenfeld Politik und Gesellschaft behandelt. Untersucht werden Wörter von Aktivist bis Zeitenwende, von Chancengleichheit bis Fremdenfeindlichkeit. Das Projekt verbindet dabei Grundlagenforschung mit Wissenschaftskommunikation: Ziel ist es, wissenschaftlich verlässliche Informationen zur Bedeutungsgeschichte von Wörtern allgemeinverständlich zur Verfügung zu stellen. Die Ergebnisse sind unter wortgeschichten.zdl.org frei zugänglich.

Hier geht es zum Podcast

0 replies on “Heimkehrerin und Spätheimkehrer auf dem Campus?”