Spielerisch in die Antike

Paula Tavener (links) und Lara Döring mit dem Königlichen Spiel von Ur – Foto: Heike Ernestus

Zwölf Studierende der Antiken Kulturen sind eingetaucht in die Welt der Brettspiele. Denn archäologische Funde belegen, dass in der Antike häufig gespielt und gewettet wurde. Überliefert sind Brettspiele, bei denen es viel um Strategie und Taktik geht – so wie wir es noch heute von den Klassikern kennen. Mit einfachen Mitteln und Liebe zum Detail haben die Studierenden einige Spiele der Alten Welt nachgebaut und laden alle Interessierten ein, am Sonnabend, 3. Juni 2023, ins Forum Wissen zu kommen, um selbst zu spielen und mehr über Antike Kulturen zu erfahren.

Vor Jahren stieß Paula Tavener, Bachelorstudentin der Antiken Kulturen, in einem Video auf das Königliche Spiel von Ur. Dabei werden die eigenen Figuren von A nach B über das Brett gezogen, gegnerische Figuren hinausgeworfen und für die eigenen sichere Felder genutzt. Sie ist so begeistert von ihrem Fund, dass ihr Bruder ihr schließlich einen selbst gebastelten Nachbau zum Geburtstag schenkt. Das wiederum ist der Ausgangspunkt für die Idee der Studierendengruppe ZAK!, Schüler*innen in YLAB-Workshops die Antike spielerisch näherzubringen. Seitdem treffen sich die Studierenden regelmäßig, recherchieren, bauen nach und probieren aus.

Nachbau des Königlichen Spiels von Ur – Foto: Heike Ernestus

„Eines der ältesten überlieferten Spiele ist Senet“, erzählt Lara Döring, Masterstudentin der Ägyptologie. Bei diesem Spiel werden die Spielsteine über 30 Felder gezogen, gegnerische Figuren hinausgeworfen und den Anweisungen auf den „Aktionsfeldern“ gefolgt. „Es wurde zum Beispiel als Beigabe im Grab von Tutenchamun und als Abbildung im Grab von Neferati, der Frau von Ramses II., gefunden.“ Aber nicht nur Könige, sondern auch einfache Leute haben gespielt, wie Funde von Einritzungen in Stein am Straßenrand bezeugen.

Nachbau des Spiels Senet – Foto: Heike Ernestus

Nur, woher kennen wir die Regeln? Ein auf einer Tontafel mit Keilschrift erhaltener Brief zwischen zwei Astronomen erzählt vom Königlichen Spiel und seinen Regeln. „Irving Finkel hat daraus die Grundregeln abgeleitet und es wird noch heute gespielt“, berichtet Paula Tavener. Bei ihren Nachbauten aus Holz orientieren sich die Studierenden an den überlieferten Originalen. Auch wenn die Köpfe der Steine des Hunde und Schakal-Spiels ursprünglich viel aufwendiger gestaltet waren, ist der Nachbau wie damals mit einer Palme verziert. Wie selbstverständlich würfeln Döring und Tavener mit Wurfhölzern – denn erst mit den Römern kamen Würfel aus Knochen mit eingeritzten Augenzahlen auf.

Nachbau des Hunde und Schakale-Spiels – Foto: Heike Ernestus

In den vergangenen Monaten hat die Studierendengruppe an ihren Ideen gefeilt und gespielt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lange die einzelnen Spiele dauern und welche strategischen Möglichkeiten sie bieten. Mit ihrem Angebot am 3. Juni im Rahmen des Gaming-Festivals „Play Forward“ laden die Studierenden nun alle zum spielerischen Kulturaustausch ein. Zu jedem Spiel bereiten sie ein Begleitblatt mit der Geschichte und der Spielanleitung vor. So können die Besucher*innen ein Teil der Antike mit nach Hause nehmen.

www.play-forward.de

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