Engagiert in Forschung und „coolem Netzwerk“

Christine Mau im Labor im Göttinger Zentrum für Molekulare BiowissenschaftenBiowissenschaften – Foto: Heike Ernestus

Im Göttingen Campus Postdoc-Netzwerk kommen viele Forschende zusammen; sie tauschen Informationen aus und pflegen ein lebendiges Miteinander. Einige von ihnen engagieren sich im Postdoc-Komitee – zum Beispiel die Biologin Dr. Christine Mau und der Theologe Dr. Julian Bergau.

Unterstützung

Als Christine Mau im Herbst 2023 von Philadelphia nach Göttingen kam, suchte sie den Kontakt zu anderen Nachwuchsforschenden. Heute freut sie sich, Teil eines „coolen Netzwerks“ zu sein und hier im akademischen Hintergrund mitzuwirken. Engagement und vielfältige Unterstützung sind für sie wichtige Ankerpunkte.

Am Department für Evolutionäre Entwicklungsbiologie der Universität gehört Mau zur Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Gregor Bucher. Seit März 2024 wird ihre Stelle aus dem Walter Benjamin-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Aus dem Dorothea Schlözer-Programm der Universität erhält sie eine Anschubfinanzierung zur Karriereförderung.

Im Labor im Göttinger Zentrum für Molekulare Biowissenschaften erforscht sie auf zellulärer Ebene die genetischen Mechanismen, die bei Insekten eine Vielfalt von Gehirnstrukturen entstehen lassen. „Die Unterschiede der Lebensräume der Insekten und ihrer jeweiligen Funktion wirken sich auf die Entwicklung und die Struktur des Gehirns aus“, erläutert Mau. „In den Gehirnen der Fruchtfliege und des Roten Reismehlkäfers untersuche ich, wie sich vom Embryo über das Larvenstadium bis zum ausgewachsenen Insekt der Zentralkomplex und die sogenannten Pilzkörper entwickeln. Ersteres steuert die räumliche Orientierung, letzteres steuert Gedächtnis und Lernen.“ Mit RNA-Sequenzierung ist sie den Genen auf der Spur, die die Ausbildung der jeweiligen Zellen steuern.

Im Gehirn des Käfers ist der Zentralkomplex und damit die räumliche Orientierung schon im frühen Larvenstadium ausgebildet. „Unsere These ist: Die Larve hat bereits Beine und muss sich zu ihrem Futter hinbewegen“, erklärt Mau. „Die Fliegenlarve dagegen lebt in ihrem Futter und bildet den Zentralkomplex erst später aus.“ Auch die Evolution der Pilzkörper unterscheidet sich bei den beiden Modellorganismen. Mau will die genetischen Ursachen dafür finden und einen Funktionstest für Käfer etablieren.

Normalerweise verbringt sie ein Drittel ihrer Arbeitszeit im Labor. Doch während ihrer Schwangerschaft und in der Stillzeit war ihr ein Arbeiten im Labor untersagt – Arbeitsschutz. Dank großer Unterstützung von den Kolleg*innen im Labor, einer von der DFG zusätzlich finanzierten Hilfskraft und von ihrem Ehemann konnte und kann sie ihre Forschung fortsetzen. „Nach der Geburt unseres Sohnes im Dezember 2024 wollte ich nicht zu lange pausieren und arbeite seit Juni 2025 wieder in Teilzeit“, erzählt die Forscherin.

Ihre Dankbarkeit für die Unterstützung gibt sie auf ihre Weise zurück. Denn sie engagiert sich nicht nur im Göttingen Campus Postdoc-Komitee, sondern gehört auch der Auswahlkommission der Studienstiftung des deutschen Volkes an und ist bereits seit 2018 im Projekt CyberMentor für Schülerinnen aus dem MINT-Bereich aktiv.

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Julian Bergau forscht am Lehrstuhl für Neues Testament – Foto: Heike Ernestus

Aktiv ist auch der Theologe Julian Bergau. Er forscht und lehrt am Lehrstuhl für Neues Testament und kann in der Beratung für Studierende auf Lehramt seine berufspraktischen Erfahrungen einbringen. Nach seinem Studium der Theologie, Vikariat und Promotion in Göttingen übernahm er ein Pfarramt in Peine. Im August 2024 kam er an die Universität Göttingen zurück.

Der Wechsel aus dem Berufsalltag als Pfarrer in das geisteswissenschaftliche Arbeiten war zwar erneut eine Umstellung. Aber er freut sich, in das Fakultätsleben eingebunden zu sein und zu einem Thema forschen zu können, welches ihn schon lange interessiert. Er untersucht, wie die biblischen Texte gegenwärtig verstanden werden – und das aus interkultureller Perspektive im Vergleich mit Westafrika. „Wir alle haben eine eigene Prägung, eine eigene Brille“, sagt Bergau. „Mich interessiert, welche unterschiedlichen Sichtweisen und Lesarten es gibt und wie wir über die darin enthaltenen wichtigen Aspekte ins Gespräch kommen.“

In seinem interkulturellen Fokus verknüpfen sich private und akademische Interessen. Nach seinem Zivildienst lernte er in Ghana zum ersten Mal Sichtweisen des Glaubens kennen, die ihm neue Horizonte eröffneten. Für unterschiedliche Bibelinterpretationen gibt er folgendes Beispiel: „Mein Zugang ist von lutherischer Prägung; die Macht Gottes zeigt sich gerade in der Schwäche am Kreuz. In Ghana ist dagegen oft entscheidend, dass Jesus gewonnen hat und Gläubige daran teilhaben können. Für beide Positionen finden sich Textstellen. Was machen wir daraus?“

Nach seiner Rückkehr an die Universität stellte sich für ihn noch eine andere Frage: Mit wem jenseits von Fakultät und Lehrstuhl kann ich mich zusammentun; welche Gruppe ist für mich hilfreich? Im Postdoc-Netzwerk schätzt Bergau die Informationen, die er aus dem monatlichen Newsletter zieht, ebenso wie den Austausch mit Postdocs anderer Fachkulturen. Wichtig sind ihm auch zwei weitere Aspekte: „Zu unseren ,Postdoc Socials‘ genannten Treffen sind auch Familienmitglieder willkommen und mit der Institutionalisierung des Postdoc-Netzwerks setzt die Universität auch ein strukturelles Zeichen.“

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