Durch Forschen lernen

Wer schon im Bachelor-Studium erste Erfahrungen mit dem forschenden Lernen machen möchte, dem empfehlen wir das Programm Forschungsorientiertes Lehren und Lernen, kurz FoLL. Bachelorstudent*innen mit Interesse an eigener Forschung haben hier schon früh die Möglichkeit, weitgehend selbständig wissenschaftlich zu arbeiten und in die aktuelle Forschung einbezogen zu werden. Im Team und begleitet durch ein bis zwei betreuende Lehrende durchlaufen sie den kompletten Forschungsprozess von der Themenfindung, über die Formulierung der Forschungsfrage bis hin zur Projektplanung und -durchführung.

Wie spannend und bereichernd diese Erfahrungen sein können, das war bei der Präsentation der Ergebnisse der FoLL-Teams des Wintersemesters 2023/24 zu spüren. Vier Teams gestalteten mit ihren Erfahrungen und Ergebnissen das Event am 8. Mai im Forum Wissen und präsentierten ihre Arbeit vor den rund 80 interessierten Gästen:

  • Gas-phase thermodynamics of molecular isomerization using rotational spectroscopy.
    Studierende aus der Physikalischen Chemie begaben sich auf Spurensuche von Molekülstrukturen. Mit Hilfe von Rotationsspektroskopie präsentierten sie den anwesenden Gästen ihre Ergebnisse zur Strukturaufklärung organischer Moleküle.
    (Fakultät für Chemie, Institut für Physikalische Chemie)
  • Drama in Ägypten – Ein ägyptologisches Theaterprojekt.
    Ein Team aus der Ägyptologie schrieb auf der Basis antiker, alltäglicher Verwaltungsschriften, administrativ-juristischer Papyri und altägyptischer Ritualtexte ein Theaterstück. Daraus stellten die Studierenden einige Szenen vor und boten Einblicke in ihre Vorbereitungsarbeiten.
    (Philosophische Fakultät/ Seminar für Ägyptologie und Koptologie)
Studierende des Seminars für Ägyptologie und Koptologie / Foto: Sarah Knies
Studierende der Geobiologie – Foto: Gabriele Bartolomaeus

  • Geobiologische Rekonstruktion der initialen Besiedelung des Roten Meeres (Saudi-Arabien) durch marine riffbildende Organismen. (Folgeprojekt)
    Angehende (Geo)biolog*innen setzten ihre Projektarbeiten aus dem Sommersemester 2023 fort: Anhand von Geländefotos und Gesteins- und Fossilienproben rekonstruierten sie die initiale Besiedelung primärer mariner Flachwasserhabitate des Roten Meeres in Saudi-Arabien.
    Über dieses Projekt haben wir hier in unserem Blog schon einmal genauer berichtet.
    (Fakultät für Geowissenschaften und Geographie/ Abteilung für Geobiologie; Fakultät für Biologie und Psychologie)
  • Algen im Boden: Wie wird ihre Biodiversität von unterschiedlicher Landnutzung und Vegetation beeinflusst? Forschung im BiodiversitätsExploratorium Hainich Dün.
    Das Bachelorteam aus der Algensammlung untersuchte Bodenalgen im BiodiversitätsExploratorium Hainich Dün. Dabei beantworteten sie die Frage, wie die Biodiversität von Algen im Boden von unterschiedlicher Landnutzung und Vegetation beeinflusst wird.
    (Fakultät für Biologie und Psychologie/ Algensammlung)

Dass FoLL manchmal deutliche Spuren hinterlässt, dafür steht in besonderer Weise das Projekt der Studierenden des Seminars für Ägyptologie und Koptologie. Denn dem ägyptologischen Theaterprojekt vorangegangen war im Sommersemester 2022 ein Projekt, bei dem sich die Studierenden auf die Spuren der Hieroglyphenforschung in Göttingen begaben und einen geführten Stadtrundgang erarbeiteten. Das Ergebnis war eine anderthalbstündige Stadtführung, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreut.

Foto: Sarah Knies

In ihrem neuen Projekt geht es den Studierenden darum, historische Geschehnisse wie das in antiken Quellen geschilderte Familienleben am Nil auf eine interessante und fesselnde Art und Weise zu präsentieren. Inspiriert durch die kritische Auseinandersetzung mit historischen Fernsehfilmen passen sie originale ägyptische Texte, die von einem Kriminalfall und dem Schicksal zweier ägyptischer Schwestern berichten, theaterdramaturgisch an. Wichtig ist ihnen dabei auch, dass die Rahmenhandlung des Stückes geeignet ist, einen Einblick in die Arbeit von Ägyptolog*innen zu geben. So legen sie besonderen Wert auf die historische Akkuratheit der Darstellung, recherchieren genauestens Kostüme und Alltagsgegenstände wie Kleidung, Schmuck oder Gerätschaften und berücksichtigen insbesondere originale Ritualtexte mit antiken Handlungsanweisungen, die für die Ausübung der priesterlichen Tätigkeiten der Schwestern eine wichtige Rolle spielen. Neben dem präzisen Umgang mit den historischen Quellen richten die Studierenden ihren Fokus darauf, historische Themen leichter zugänglich und vermittelbar zu machen, um sie einem interessierten Publikum nahe zu bringen.

Unterstützt werden die FoLL-Projekte von der Hochschuldidaktik der Universität Göttingen. Flankierend zu den Projektarbeiten im Fach bietet sie Workshops und Austauschtreffen für Studierende und ihre Projektbetreuer*innen an. Die Rückmeldungen der Studierenden spiegeln, dass viele die interdisziplinär angelegten Workshops schätzen, weil sie zum Blick über den fachlichen Tellerrand anregen. So hieß es im Abschlussbericht eines FoLL-Teams aus der Physik „Durch FoLL haben wir es neben der Unterstützung für unser Projekt auch mal aus unserer ‚PhysikerInnenblase‘ geschafft und einen Blick in die anderen spannenden Fächer und Forschungsprojekte erhalten.“

Wer jetzt Lust bekommen hat, eine eigene Forschungsfrage zu entwickeln und gemeinsam mit anderen im Team zu erarbeiten, der findet hier alle Informationen zur Beantragung eines eigenen FoLL-Projektes. Bewerbungsschluss für das Wintersemester 2024/25 ist der 22. September 2024. Ein wenig Zeit, um ein schönes eigenes Projekt auf die Beine zu stellen, bleibt also noch.

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