Wald im Wandel

Kürzlich ist die öffentliche Vortragsreihe Wald im Wandel mit einem letzten, dem 14. Vortrag zu Ende gegangen. Die Reihe wollte durch einen interdisziplinären thematischen Zugang zum Nachdenken und Diskutieren über den Wald anregen. Mit den Programmverantwortlichen Prof. Christian Ammer, Prof. Alexander Knohl und Prof. Christoph Leuschner gehen wir dem Grund für die tiefe Verbindung vieler Menschen mit dem Wald nach.

Dass der Wald viele Menschen berührt, war in jedem einzelnen der sehr gut besuchten Vorträge zu spüren. Die Faszination, die der Wald auf viele Menschen ausübt, spiegelt ihre emotionale Beziehung zum Wald wider. Sie begann in der Romantik und wird offenbar immer stärker je mehr der Wald als Gegenpol zu unserer stark technisierten Welt wahrgenommen wird. Der Wald wird dabei gleichgesetzt mit Natur, er verspricht Ruhe, Stabilität und Harmonie – alles Dinge, die viele Menschen im Alltag schmerzlich vermissen.

Die Vortragsreihe griff das Thema Wald mit einem interdisziplinären Ansatz auf. So gab es neben forstwissenschaftlichen Perspektiven zu Klimawandel, Baumkrankheiten oder Artenvielfalt auch eine Rezitation als Dialog zwischen Poesie und Wissenschaft sowie den literaturwissenschaftlichen Blick, der Holzfrevel und Ökologie bei Droste-Hülshoff, Stifter und Marx nachging und musikalische Spaziergänge durch den impressionistischen Fabelwald und seine geistesgeschichtlichen Vorgänger. Hinter diesem Ansatz stand zum einen die Überlegung, die vielfältigen Zugänge zum Wald abzubilden und daneben zu verdeutlichen, dass die Gesellschaft sehr viele unterschiedliche Leistungen von unseren Wäldern erwartet, diese aber nicht alle gleichzeitig in vollem Umfang erfüllt werden können. Kompromisse sind notwendig, fallen jedoch in Zeiten eines grenzenlos erscheinenden Individualismus nicht jedem leicht. Zum anderen verdeutlichte der interdisziplinäre Ansatz auch, wie sehr Wälder über die Naturwissenschaften hinaus Literatur und Musik stimuliert haben.

Dies alles kann und sollte nicht darüber hinwegsehen lassen, dass der Wald seit Jahren als chronisch kranker Dauerpatient in den Schlagzeilen ist. Im Gegenteil, die Vorträge griffen in vielfacher Weise die Herausforderungen an die Waldökosysteme auf und thematisierten dabei ebenso Klimaextreme und Krankheiten, wie die Suche nach Kompromissen zwischen Ökologie und Ökonomie sowie die Sorge um verlorengehende Ökosystemleistungen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Konflikte.

Die Stressfaktoren, die dem Wald zusetzen und die Reaktionen der Wälder darauf sind derart komplex, dass sich die Frage aufdrängt, wie der Wald der Zukunft wohl aussehen wird? Auch wenn diese Frage nicht mit Sicherheit beantwortet werden kann, machten die Vorträge eindrücklich klar, dass sich der Wald der Zukunft vielerorts vermutlich vom heutigen unterscheiden wird. Sehr wahrscheinlich wird er etwas lichter sein und es werden Baumarten vorkommen, die bislang hier nicht heimisch waren oder kaum in Erscheinung getreten sind, weil sie sich gegenüber der Konkurrenz anderer Arten nicht durchsetzen konnten.

Rückblickend stellen die drei Programmverantwortlichen fest, dass ihre Erwartungen an die Vortragsreihe mehr als erfüllt wurden: „Wir hatten gehofft, dass die vielfältigen Themen und unterschiedlichen Zugänge zum Wald geeignet sein würden, den Spannungsborgen der Veranstaltung über das ganze Semester hinweg hochzuhalten und waren sehr froh zu sehen, dass das Konzept offenbar aufgegangen ist. In jedem Fall sind unsere Hoffnungen hinsichtlich der Zahl der Menschen, die sich für unsere Reihe interessiert haben, weit übertroffen worden. Ein so positives Feedback hatten wir nicht erwartet, freuen uns aber natürlich darüber sehr.“

Dass dabei gerade auch die fachfremden Vorträge aus Literatur und Musik ein besonderes Highlight waren, weil sie einen neuen Blickwinkel auf den Wald vermittelten, darüber waren sich alle Beteiligten einig. Alle, die jetzt neugierig geworden sind oder die nicht bei allen Vorträgen dabei sein konnten, haben auf dem YouTube-Kanal der Universität die Möglichkeit, die Vorträge anzuschauen. Weitere Informationen und das komplette Programm finden sich zudem auch auf unserer Webseite.

Written By
More from Regina Lange
Ausgezeichnet!
Für ihr besonderes ehrenamtliches Engagement erhalten drei Göttinger Studierende Preise von der...
Read More
0 replies on “Wald im Wandel”