Gedenken an den Widerstand

Am 20. Juli 1944 detoniert kurz vor 13 Uhr eine Bombe im „Führerhauptquartier Wolfsschanze“. Claus Schenk Graf von Stauffenberg war es gelungen, einen Sprengkörper in die streng bewachten Räumlichkeiten einzuschleusen und diesen während einer Lagebesprechung zur Explosion zu bringen. Doch Adolf Hitler überlebt den Anschlag, und der Umsturzversuch, mit dem der Krieg und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft beendet werden sollte, scheitert.

Heute, 77 Jahre später, ist der 20. Juli ein nationaler Gedenktag und fester Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur. Seit 1952 wird an diesem Tag alljährlich an historischen Orten des Umsturzversuchs in Berlin an den Widerstand erinnert. Das Gedenken in der Bundesrepublik hat über Jahrzehnte vorwiegend den militärischen und konservativen Widerstand in den Vordergrund gestellt. In den letzten Jahren rückt aber auch vermehrt die Vielfalt der zivilen Widerstandsgruppen in den Fokus. Es bleibt eine ständige Aufgabe, das historische Erbe des Widerstands in all seinen Ausprägungen sichtbar und für die Gegenwart und Zukunft fruchtbar zu machen.

Einer der Männer und Frauen des 20. Juli war der Göttinger Alumnus und Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz (1909–1944). Der Staat „ist zur Willkür geworden“, hatte er bereits 1933 als junger Jura-Student an seinen Vater geschrieben. Aus dieser Erkenntnis wurde aktiver Widerstand: Beharrlich kämpfte Adam von Trott für den Sturz der Diktatur. Als Student in Göttingen, Berlin und Oxford, auf Reisen und als Jurist im Auswärtigen Amt knüpfte er ein weites Netzwerk von Freunden und Gleichgesinnten. Zu Trotts Netzwerk gehörten Sozialisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter ebenso wie Konservative, Kirchenvertreter und Militärs. Im Kreisauer Kreis arbeitete er an konkreten Plänen für ein föderales Europa, in dem ein demokratisches, gerechtes Deutschland verankert sein sollte. Im Ausland versuchte er, Unterstützung für den Widerstand und die geplante Nachkriegs-Regierung zu gewinnen. Ab Herbst 1943 arbeitet er eng mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Julius Leber zusammen. Fünf Tage nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er verhaftet, am 15. August vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 26. August 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Gedenkkreuz für Adam von Trott auf dem Tannenberg in Imshausen (© Studio Blåfield)

In Gedenken an Adam von Trott und den gesamten Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft findet am 20. Juli seit 1984 jährlich eine Gedenkfeier in Imshausen bei Bebra statt. Auf dem Tannenberg oberhalb des Dorfes, wo der historische Sitz der Familie von Trott zu Solz und heute der Verein „Stiftung Adam von Trott“ beheimatet ist, steht ein großes Gedenkkreuz für den Widerstandskämpfer. Hier findet am 20. Juli 2021, um 17 Uhr auch in diesem Jahr wieder eine öffentliche Gedenkveranstaltung statt, zu der die Stiftung Adam von Trott gemeinsam mit dem SPD-Unterkreis Rotenburg und der Universität Göttingen alle Interessierten herzlich einladen.

Die diesjährige Festrede hält die bekannte Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann. In ihren Arbeiten zu den Themen kulturelles Gedächtnis, Erinnerung und Vergessen untersucht sie, welche Rolle das Erinnern an den Holocaust und das Eingeständnis der eigenen Schuld für die deutsche Nation spielen. Darüber hinaus regt sie die Entwicklung einer nationenübergreifenden Erinnerungskultur an, damit die gemeinsamen Erinnerungen an die Verbrechen des Holocaust zur Grundlage einer globalen Menschenrechtspolitik werden können. 2018 erhielt Aleida Assmann gemeinsam mit ihrem Mann Jan Assmann den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Gedenkstein für Adam von Trott, Tannenberg Imshausen / Außenminister Heiko Maas, Gedenkfeier 20. Juli 2019, Imshausen / “Herrenhaus” der Stiftung Adam von Trott (alle: © Studio Blåfield) / Adam von Trott zu Solz im Jahr 1943 in Basel (privat)

Die Gedenkveranstaltung in Imshausen ist Teil des Projekts „Widerstand – Demokratie – Internationalität“, das die Universität Göttingen gemeinsam mit der Stiftung Adam von Trott ins Leben gerufen hat. In Erinnerung an Adam von Trott organisieren die Projektpartner Veranstaltungen, die sich mit dem historischen Erbe Adam von Trotts und dessen Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft auseinandersetzen. Gefördert wird das Projekt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Weitere Infos zur Gedenkfeier und zur Anfahrt nach Imshausen sind auf der Homepage der Stiftung Adam von Trott zu finden.

Mehr Informationen zum Kooperationsprojekt „Widerstand – Demokratie – Internationalität“ finden sich auf der Projektseite.

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