Vom Akademischen Museum bis zum Forum Wissen

Historische Gebäudeansicht (Foto: Städtisches Museum Göttingen)

Das Sammeln von Objekten für die Wissenschaft hat an der Universität Göttingen eine lange Tradition: bereits vor ihrer Gründung im Jahr 1737 wurde ein „Akademisches Museum“ geplant, um zahlreiche Privatsammlungen der damaligen Professoren zu beherbergen.
Die Objekte befanden sich ursprünglich im Kollegienhaus, neben der Paulinerkirche, und wurden ein Ziel prominenter Bildungs- und Forschungsreisender. Durch den Austausch mit den Forschenden gewannen die Sammlungen ihrerseits zunehmend an Umfang und Bedeutung, sodass sie innerhalb weniger Jahrzehnte auf mehrere zehntausend Objekte anwuchsen.

Die Professorenhäuser, links vom Leinekanal, beherbergten das Akademische Museum in den Jahren 1793 bis 1877
(Foto: Städtisches Museum)

Aus Platzgründen wurde 1793 alles in die gegenüber am Kollegienplatz gelegenen „Professorenhäuser“ verlagert. Aber auch dies war keine langfristige Lösung, weswegen 1877 das „Naturhistorische Museum“ an der Bahnhofsstraße errichtet wurde.

Das neue Sandsteingebäude wurde von vier Instituten samt ihren Sammlungen bezogen: Die Mineralogisch-Petrographische, Geologisch-Paläontologische, Zoologisch-Zootomische und Ethnographische Sammlung. Das weitläufige Grundstück des neuen Gebäudes ermöglichte in den folgenden Jahrzehnten kontinuierliche Anbauten, um Platz für weitere Sammlungen, Labore und Tierställe für Forschungstätigkeiten zu schaffen. Die räumliche Expansion des Naturhistorischen Museums endete erst, als die Institute auszogen, um jeweils ein eigenes Gebäude zu erhalten. 1929 bezog das Mineralogisch-Petrographische Institut ein eigenes Gebäude in der Lotzestraße, 1936 eröffnete die Ethnologie ihr Gebäude am heutigen Theaterplatz 15.

Das 1930 in der Tongrube Bilshausen gefundene Teilskelett eines Breitstirnelches
(Cervalces latifrons) bei seiner Montage im Geologisch-Paläontologischen Teil des
Naturhistorischen Museum, 1930er Jahre
(Foto: Universität Göttingen)

Buchstäblich zum Kriegsende wurde das Naturhistorische Museum bei einem Bombenangriff schwer beschädigt: Am Abend des 7. April 1945 erlebte Göttingen seinen letzten Luftangriff vor dem Einmarsch der US Armee am folgenden Tag. B-26-Bomben trafen im Zuge eines Generalangriffs auch den Bahnhof und das Anatomiegebäude, sowie den Nordteil des Naturhistorischen Museums. Der dadurch ausgelöste Brand konnte nicht vollständig gelöscht werden und flackerte anderntags wieder auf. Dabei wurde das Gebäude im Kern zerstört und der Dachstuhl des Nordteils brannte aus.

Einblick in einen der stärker zerstörten Gebäudebereiche, 1944
(Foto: Städtisches Museum)

Erhalten blieb der Südflügel mit den geräumten Museumssälen und die in Sicherheit gebrachten Sammlungsobjekte – außer den Teilen der zoologischen Lehrsammlung, die gerade im Unterricht verwendet wurden. Erst 1956 konnten die Sammlungen dem Publikum nach und nach wieder zugänglich gemacht werden.

1974 wurde das Geologisch-Paläontologische Institut und Museum in den Neubau in der Goldschmidtstraße 3 umgesiedelt; zurück blieb das Zoologische Institut, welches alleine einen Museumsbestand von 150.000 Objekten zählte. Eines der bekanntesten Exponate ist dabei der Göttinger Wal, ein gestrandeter, 17 Meter langer Pottwal, der 1998 von Göttinger Wissenschaftler*innen präpariert und in das Museum gebracht wurde.

Abtransport des Wals in Vorbereitung für den Gebäudeumbau zum Forum Wissen
(Foto: Peter Heller)

Ab 2018 wurde das Gebäude umgebaut und unter dem Namen Forum Wissen im Juni 2022 neu eröffnet. Es besteht nun aus drei Einrichtungen: Einem Wissensmuseum, dem Thomas-Oppermann-Kulturforum und dem Biodiversitätsmuseum.

Das Wissensmuseum geht der Frage nach, wie Wissen entsteht und was Wissen schafft. Als Grundlage und Fallbeispiel dienen Exponate aus Sammlungen der Universität Göttingen. Viele von ihnen sind im Wissensmuseum erstmals für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich. Mehr Infos über die Basisausstellung und die aktuellen Sonderausstellungen gibt es hier.

Einblick in einen der Räume der Basisausstellung im Wissensmuseum
(Foto: Klein und Neumann)

Das Thomas-Oppermann-Kulturforum wird künftig eine Vielzahl an Veranstaltungs- und Arbeitsräumen bieten, in denen unterschiedliche Formate des Transfers und der Kommunikation von Wissen und Wissenschaft im Zusammenspiel mit Partner*innen aus der Kulturszene erprobt werden können.

Das ehemalige Zoologische Museum wird in Zukunft als Biodiversitätsmuseum seine Türen öffnen. Dann können die Besucher*innen die beeindruckenden zoologischen und botanischen Sammlungen sowie weitere thematisch verwandte Sammlungen der Universität im Kontext der modernen Biodiversitätsforschung entdecken.

Viele weitere Informationen und Bilder zu der Entwicklung des Gebäudes gibt es in der neuen Gebäudebroschüre zum Forum Wissen.

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