Nature or Nurture? Angeboren oder erlernt? Diese große Frage der Verhaltensforschung gewinnt im Zuge der Geschlecht-, Gender- und Gleichberechtigungsdebatte in den letzten Jahren zunehmend an Relevanz. Die Standpunkte könnten kaum unterschiedlicher sein: „Frauen sind aufgrund ihrer biologischen Bestimmung nicht geeignet, gesellschaftliche Entscheidungen zu treffen und Führungsrollen zu übernehmen“, sagen die Einen. „Es gibt keine biologischen Unterschiede zwischen Geschlechtern. Das sind alles nur gesellschaftliche Konstrukte“, sagen die Anderen. Die Diskussion wird polarisierend, polemisierend und teilweise hochaggressiv geführt.
Peter Kappeler versucht in seinem Buch „Geschlecht im Wandel: Eine interdisziplinäre Reise durch Biologie, Kultur und Diskriminierung“ einen sachlichen und wissenschaftlich fundierten Gegenpol zur emotionalen Debatte zu setzen. Ein wichtiges Anliegen ist ihm dabei die Frage, warum Frauen aber auch Transmenschen und solche mit nicht-heterosexueller Orientierung in so starkem Ausmaß gesellschaftlich diskriminiert und vielerorts unterdrückt werden. Dafür bringt der Autor zunächst Klarheit in die Begriffe Geschlecht, Gender und sexuelle Orientierung. Er führt uns in die Definition des biologischen Geschlechts ein und bringt uns auf den aktuellen Stand der Forschung zu morphologischen -, physiologischen – und Verhaltensunterschieden zwischen den Geschlechtern beim Menschen sowie der Rolle, die das Geschlecht in der Evolution menschlicher Gesellschaften gespielt hat. Sein Fazit: Es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die auch eine Rolle im Zusammenleben spielen, aber keine biologische Grundlage dafür, dass ein Geschlecht gesellschaftlich benachteiligt und unterdrückt wird. Er schließt aus der Datenlage, dass diese Diskriminierung, ein rein kulturelles Phänomen ist, das erst mit Beginn der Sesshaftigkeit des Menschen aufkam und somit nur ungefähr fünf Prozent unserer Menschheitsgeschichte ausmacht. Allerdings hat sich das Phänomen durch kulturelle und vor allem religiöse Normen in der kurzen Zeit so fest manifestiert, dass es aktuell nicht leicht wieder aufzulösen ist.
Am 6. Juli um 16:00 Uhr lädt das Team Diversität des Deutschen Primatenzentrums zu einer Lesung mit anschließendem Gespräch im DPZ Hörsaal ein. Weitere Informationen

