„Wieviel Corona steckt noch in uns?“

Auch wenn die Corona-Thematik für viele nicht mehr den Alltag prägt: Die COVID-19-Pandemie hat nicht nur medizinische, sondern auch soziale Spuren hinterlassen. Sie ist weder in gesundheitlicher noch in gesellschaftlicher Hinsicht abgeschlossen. Misstrauen, Einsamkeit, Polarisierung sind nur drei Stichworte, die darauf hindeuten, dass eine Pandemie nicht per regierungsamtlichem Dekret beendet werden kann. Daher sprechen wir auch von einem „sozialen Long-COVID“.

Wo steht unsere Gesellschaft heute nach der Pandemie und wie hat sie das Erlebte verarbeitet? Welchen Schatten wirft die Pandemie, und wie weit reicht er? Diesen Fragen hat sich das im Rahmen des COVID-19 Forschungsnetzwerks Niedersachsen (COFONI) geförderte, explizit transferorientierte geleitete Projekt „Schutz. Vertrauen. Versöhnung?! Pandemie-Reflexionen in Zeiten sozialen Long-COVIDs“ am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) gewidmet. In zahlreichen Gesprächen zwischen Dezember 2025 und März 2026 hat das Interviewteam zwei zentrale Perspektiven auf dieses „soziale Long-COVID“ eingefangen: Zum einen die professionelle Perspektive von Expert*innen aus Medizin, Bildungswesen, Kultur, Wissenschaft und Verwaltung, die sich auf verschiedenen Ebenen an der Pandemiepolitik und ihrer Umsetzung beteiligten. Zum anderen die stärker lebensweltliche Perspektive von jungen Erwachsenen, die von dieser Politik besonders betroffen waren und die sich während der Pandemie in Schule, Ausbildung, Studium oder im Übergang in eine Berufstätigkeit befanden. Insbesondere die Gespräche mit den jungen Erwachsenen verdeutlichen, wie gravierend die insgesamt sehr ambivalenten Erfahrungen in der Corona-Pandemie deren Leben geprägt haben – und weiter prägen. Das aktuell erschienene SOFI-Impulspapier „Wieviel Corona steckt noch in uns? Pandemie-Reflexionen junger Erwachsener“ rückt vor allem diese Zeitzeug*innen in den Fokus, weil die Perspektiven und „Stimmen“ der jüngeren Altersgruppen bisher eher wenig Aufmerksamkeit erhalten haben.

Um die Kommunikation und Aufarbeitung der Corona-Krise auch in die Gesellschaft hineinzutragen, ist als Transferergebnis des Projekts eine Außenrauminstallation in Kooperation mit dem Forum Wissen, dem Wissensmuseum der Universität Göttingen, entstanden. Die Installation mit dem Titel „Wieviel Corona steckt noch in uns?“ ist bis Herbst 2026 auf dem Vorplatz des Forum Wissen zu sehen und zu erkunden. Sie enthält neben einer Hörstation, über die mehr als 100 O-Töne von befragten jungen Erwachsenen und Expert*innen zu zehn verschiedenen Themen auswählbar sind, ebenso die Möglichkeit, Fragenkarten zur weiteren Reflexion mitzunehmen.

Anlässlich der Eröffnung der Installation findet am Dienstag, 16. Juni 2026 in der Reihe Gemeinsamer Nenner eine Veranstaltung statt, bei der Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, Prof. Dr. Berthold Vogel, Sprecher FGZ Göttingen und Direktor des SOFI, sowie Prof. Dr. Simone Scheithauer, Direktorin des Instituts für Hygiene und Infektiologie an der UMG, dazu einladen gemeinsam ins Gespräch zu kommen über das, was war, was geblieben ist und was wir daraus machen wollen.

Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr im Forum Wissen, Berliner Str. 28. Weitere Infos und der Link zur Anmeldung finden sich auf dieser Seite.

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