Azubis in Corona-Zeiten

Mehr als 100 Auszubildende in 21 Ausbildungsberufen bildet die Universität Göttingen dieses Jahr aus. Foto: Universität Göttingen

Mehr als 100 Auszubildende in 21 Ausbildungsberufen bildet die Universität Göttingen dieses Jahr aus. Wir haben mit Ariane Trapp von der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) gesprochen, wie es ihnen während der Corona-Krise geht.

Mitte März dieses Jahres fanden sich die meisten Beschäftigten der Universität Göttingen aufgrund der Corona-Pandemie unfreiwillig im Homeoffice wieder. Was bedeutete dieser Schritt für die Auszubildenden, von denen ja viele nicht nur am PC arbeiten, sondern unter anderem auch in Werkstätten und Bibliotheken?

Das Homeoffice stellte und stellt für viele Auszubildende, die Büroarbeit nicht unbedingt gewohnt waren, eine große Herausforderung dar. Einige haben sich dem theoretischen Lernen gewidmet, haben Aufgaben zum Lernen von ihren Ausbilder*innen bekommen. Andere wiederum taten sich schwer darin, ihre praktischen Arbeiten aufzugeben. Einige berichteten mir, dass die Langeweile bei ihnen Halt gefunden hätte. Für viele Auszubildende fiel also eine Menge Arbeit weg. Doch glücklicherweise blieben die meisten in Kontakt mit ihren Vorgesetzten, Ausbilder*innen oder Kolleg*innen, sodass sie sich nicht allein gelassen fühlen mussten.

Alle Auszubildenden hat es unterschiedlich getroffen. Manche mussten für zwei Wochen im Homeoffice bleiben und manche eben für sechs Wochen. Diejenigen, die vom Homeoffice nicht betroffen waren oder früher zurück zur gewöhnlichen Arbeit gehen konnten, mussten sich jedoch auf eine beschränkte Arbeitszeit einstellen. Das Übliche war die Schichtarbeit, die unterschiedlich lange ausgehandelt wurde. Trotz der großen Umstellung und der teils wenigen Möglichkeiten, seine Arbeit von zu Hause aus fortzusetzen, hatte ich das Gefühl, dass die meisten Auszubildenden diese Herausforderung bisher gut bewerkstelligen konnten.

Der gesamte Arbeitsmarkt befindet sich in diesem Sommer in einer unsicheren Situation. Mit welchen Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten starten die Azubis, die in diesen Tagen ihre Ausbildung beenden, ins Berufsleben?

Aktuell hoffen wir alle, dass die Corona-Krise sich langsam aber sicher verkleinert, sodass sich, besonders im Berufsleben, die normalen Verhältnisse wieder einstellen. Es hat sich zum Glück bereits zum Positiven gewendet. Viele konnten ihre Arbeit wieder wie gewohnt aufnehmen, wenn auch unter den Bedingungen der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen. Einige Auszubildende erwarten, von der Universität Göttingen wenigstens noch für ein weiteres Jahr übernommen zu werden. Doch dies kann die Uni Göttingen längst nicht allen garantieren, es hat nur ein Teil der Auszubildenden die Chance bekommen. Was mit denjenigen geschieht, die noch nichts in der Tasche haben, weiß ich nicht. Auch ein weiteres Problem: Wir als JAV haben momentan nicht die besten Möglichkeiten, mit unseren Auszubildenden in Kontakt zu treten, ebenfalls bedingt durch Corona.

Prognosen über den Sommer hinaus sind nach wie vor schwierig. Können Sie schon abschätzen, wie das kommende Ausbildungsjahr, das ja für die meisten Azubis im August oder September beginnt, aussehen wird?

Ich kann mir gut vorstellen, dass es für die neuen Auszubildenden kein leichter Start sein wird. Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass sie vorerst nicht alles in ihrem Betrieb oder in ihrer Abteilung kennenlernen können. Auch außerhalb ihrer Abteilung werden sie vielleicht noch nicht viel erkunden. Die Universität Göttingen bietet jedes Jahr für ihre Auszubildenden einen „Welcome Day“, also ein Begrüßungstreffen an. Diese Veranstaltung wird dieses Jahr nicht vor Ort stattfinden. Dies wäre das Zusammenkommen gewesen, bei dem alle neuen Auszubildenden die Uni Göttingen mit all ihren Facetten kennenlernen würden. Ob es am PC möglich ist, die Auszubildenden ausreichend begrüßen und uns ihnen vorstellen zu können, steht noch zur Debatte.

Es kann außerdem passieren, dass die Auszubildenden zu Beginn auch noch nicht den gewohnten Schulalltag kennenlernen, sondern mit dem Home-Learning starten müssen. Auf der neuen Arbeit kann es ebenfalls darauf hinauslaufen, dass weniger los ist und man weniger als acht Stunden arbeiten muss. Das Kennenlernen der Kolleg*innen ist sicher auch etwas erschwert. Ich kenne mittlerweile viele, die Zuhause bleiben, da sie zur Risikogruppe zählen. Das kann auch dem oder der Auszubildenden selbst passieren.

Es ist darauf zu hoffen, dass es keine zweite Welle der Corona-Krise gibt. Dennoch müssen wir uns im Klaren sein, dass jederzeit, auch für die neuen Auszubildenden, die Arbeit und auch das Lernen wieder eingestellt oder eingeschränkt werden kann.

Ariane Trapp. Foto: privat
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