Von Mundharmonika bis Asiatische Grippe

Die langfristigen Trends der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung sind das Forschungsfeld des Göttinger Wirtschafts- und Sozialhistoriker Prof. Dr. Hartmut Berghoff. In einer Sendung von Deutschlandfunk Kultur gibt er uns Einblicke in seinen Alltag als Forscher und Professor. Der Beitrag ist hier zu finden.

Im Gespräch mit Katrin Heise erzählt Berghoff unter anderem über seine Forschung zu deutschen und US-amerikanischen Familienunternehmen – allein in Deutschland gehören über 90 Prozent der Unternehmen in diese Kategorie. Das Familienunternehmen als Konzept habe sich nicht überlebt, so Berghoff, sich aber stark gewandelt: von „der Chef macht alles“ hin zur externen Unterstützung im operativen Geschäft.

„In Fallstudien tritt Ihnen das pralle Leben entgegen“, berichtet Berghoff über persönliche Treffen und wissenschaftliche Distanz. Seine erste Studie dokumentiert den Aufstieg und Niedergang des Familienunternehmens Hohner, das mit Mundharmonikas weltbekannt war. Die Einschätzung des Seniorchefs „Solange es Kinder gibt, werden wir Harmonikas verkaufen“ stellte sich als Irrtum heraus. Aktuell hat Berghoff die Studie zur Firmengeschichte von Bahlsen begonnen.

Wie vielfältig die Fragestellungen in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sein können, wird deutlich, wenn Berghoff über seine Beschäftigung mit der Asiatischen Grippe 1957 erzählt. Daran seien in der Bundesrepublik 30.000 bis 50.000, weltweit etwa 3 Millionen Menschen gestorben. Den Umgang der Menschen damit umschreibt Berghoff als „Pandemie ohne Drama“. Anders als heute hätten die Menschen damals das Ausmaß gar nicht erkannt.

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