Die Göttinger Saatgut-Bibliothek

Venusbrüstchen, Haselhuhn und Indigo Rose – wer würde vermuten, dass es sich hier um Tomatensorten handelt? Nicht nur die Gemüseauswahl im Supermarkt, auch das Angebot an Saatgut im Gartencenter ist meist recht einfältig, dadurch geraten regionale und alte Saatgut-Sorten in Vergessenheit. In der SUB am Zentralcampus befindet sich neuerdings eine Saatgutbibliothek, die Gärtner*innen dazu animiert, insbesondere seltene Saatgutsorten anzubauen und zu erhalten. Wir haben die Initiatorinnen Claudia Hake und Merle Schatz gebeten, uns mehr von diesem spannenden Projekt zu erzählen.

Wer seid ihr und wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Saatgut-Bibliothek aufzustellen?
Wir sind zwei Mitarbeiterinnen der SUB Göttingen, eine Fotografin/Geologin und eine Sinologin. Die eine vermehrt schon seit vielen Jahren historische samenfeste Tomaten- und Bohnensorten in ihren beiden Schrebergärten und ist mit anderen Vermehrer*innen gut vernetzt, die andere liebt es, Projekte aller Art auf die Beine zu stellen und gemeinsam mit anderen durchzuführen.

Saatgut-Bibliotheken gibt es bereits in vielen öffentlichen Büchereien, besonders in Niedersachsen, und da dachten wir: Das können und machen wir auch. Wir wollen helfen, die Sorten zu erhalten und Biodiversität zu bewahren, indem wir einen Ort schaffen, wo Bürger*innen sich einbringen können, indem sie sich kostenlos Saatgut bei uns ausleihen und sich um die Sorte kümmern. Wir unterscheiden uns von Saatgutbibliotheken in Büchereien allerdings dadurch, dass wir nicht einfach nur Saatgut 1:1 tauschen, sondern dass wir auf sortenreine Vermehrung abzielen und auch das dafür notwendige Wissen vermitteln wollen.

Unsere private Initiative, die wir in unserer Freizeit und auf eigene Kosten durchführen, wird durch die SUB unterstützt. Zum Beispiel hat sie die schönen Schubladenschränke zur Verfügung gestellt, die wir im Erdgeschoss der Zentralbibliothek aufstellen durften.

Uns ist das Projekt wichtig, weil es die Beteiligung ALLER an Nachhaltigkeit und der Bewahrung von Diversität möglich macht. Wir können so Bewusstsein schaffen, dass dies einfach, nicht teuer und „die Aufgabe aller“ ist.

Wie funktioniert die Saatgut-Bibliothek, wie kann man mitmachen?
Nach dem Motto: „Leihen – Säen – Ernten – Weitergeben“ können Interessierte, die über einen Balkon oder Garten verfügen, mitmachen – egal ob jung oder alt, erfahren oder Neuling – es ist nicht schwierig. Einfach vorbeikommen, etwas aussuchen, unseren Ausleihschein ausfüllen und gerne eine E-Mail-Adresse hinterlassen, damit wir ab und zu weitere Informationen hinsichtlich Aufzucht, Pflege und Samengewinnung versenden können.

Im Herbst nach einer hoffentlich reichen Ernte sollten die neu gewonnen Samen wieder zu uns zurückgebracht werden. Auch das ist ganz einfach: in original Samen-Tüten, oder bei größeren Mengen in Beuteln in unsere Box einwerfen. Wichtig dabei ist, die Tüten oder Beutel immer gut leserlich zu beschriften, damit wir genau wissen, um welche Sorte es sich handelt.

Gerne können auch andere Pflanzensamen gespendet werden, die wir noch nicht im Sortiment haben. So wächst auch die Göttinger Saatgut-Bibliothek und wir können auch im nächsten Jahr wieder allen genug anbieten.

Gibt es Gemüse-Sorten, die ihr besonders spannend findet?
Ja, wir lieben die sehr leckeren Tomatensorten und die hübsch gemusterten Gartenbohnen besonders. Auch, weil sie sehr leicht zu vermehren sind. Aber eigentlich finden wir alles spannend, was bunt und mal etwas Anderes ist. Bei über 150 Sorten haben wir eine große Auswahl.

Besonders spannend ist für uns die Herausforderung, die historischen und besonders raren Sorten vor dem Aussterben zu bewahren und bieten deshalb Sorten-Patenschaften für sie an. Hier wünschen wir uns sehr, dass Saatgut erfolgreich vermehrt wird. Diese Sorten befinden sich nicht in den Schubkästen, sondern werden von uns persönlich übergeben.

Die Öffnungszeiten der Saatgutbibliothek entsprechen denen der SUB.
Mehr Informationen und Anmeldung zum Newsletter gibt es unter goesabi@mail.de und auf Instagram

So funktioniert die Saatgut-Bibliothek

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