Die Universität des Dritten Lebensalters begeistert Studierende ab 50 Jahren mit ihrem Angebot an Vorlesungen und Seminaren. Vor 25 Jahren wurde der Verein „UDL Göttingen e. V.“ gegründet, der jedes Semester das Lehrangebot in Kooperation mit der Universität Göttingen organisiert. Der Vereinsvorsitzende Dr. Uwe Remmers gibt einen Einblick.
Herr Remmers, das Angebot der UDL ist mit über 100 Lehrveranstaltungen groß und vor allem vielfältig. Pro Semester kommen jeweils 650 bis 850 Hörer*innen in die Hörsäle und Seminarräume, um sich für einen geringen Beitrag wissenschaftlich fortzubilden. Was macht den Kern der UDL damals und heute aus?
Das ganz Besondere der UDL damals wie heute ist, dass sich hier Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen treffen, um gemeinsam zu lernen, neue Themen zu entdecken oder altes Wissen wieder aufzufrischen. Die Hörerinnen und Hörer, so nennen wir die Studierenden der UDL, sind fast alle 65 Jahre alt und älter und wollen die neue Freiheit nach Beendigung von familiären und beruflichen Verpflichtungen selbstbestimmt genießen.
Viele der Fachgebiete, für die sich die Hörerinnen und Hörer vor 25 Jahren interessierten, sind auch heute noch stark nachgefragt: Musik, Kunst, Literatur und Geschichte sind eindeutige Favoriten. Dabei war und ist von jeher typisch für die Hörerschaft der UDL, dass bei allem Interesse zum Beispiel für historische Epochen in der Musik- oder der Kunstgeschichte nicht nur die Vergangenheit relevant ist, sondern Aktualität gefragt ist: Neue Perspektiven aus der Forschung zur Geschichte Englands im Mittelalter, um ein Beispiel zu nennen, oder – ganz aktuell – ein Seminar zur Entwicklung der bemannten Raumfahrt, das auch die Frage anspricht, wann der erste Mensch den Mars betreten wird. Hier klingt vielleicht an, wie sich die Themen im Laufe der Jahre verändert haben: Das Interesse an medizinischen und naturwissenschaftlich-technischen Themen wächst. Die UDL versucht, dem Rechnung zu tragen und ihr Angebot auszubauen.
Der Verein hat derzeit mehr als 200 Mitglieder. Wie bringen diese sich ein?
Die meisten Mitglieder unterstützen den Verein der UDL, ohne eine formelle Funktion im Verein wahrzunehmen. Das geschieht zunächst einmal schon durch den jährlichen Mitgliedsbeitrag. Und dann vor allem als Multiplikatoren. Wer dem Verein angehört, ist in der Regel seit vielen Jahren bei der UDL, ist von dem Lehrkonzept und Angebot überzeugt und versucht im eigenen Lebensumfeld neue Hörerinnen und Hörer zu gewinnen. Die „Mund-zu-Mund-Propaganda“ ist eines der erfolgreichsten Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit der UDL. Deshalb sei an dieser Stelle den vielen aktiven Mitgliedern für ihre erfolgreiche Mitarbeit einmal ganz herzlich gedankt!
Darüber hinaus hat die UDL natürlich wie jeder Verein jährliche Versammlungen durchzuführen. In der Regel findet zu Beginn eines jeden Wintersemesters eine Mitgliederversammlung statt. Der Vorstand der UDL legt in der Versammlung seinen Rechenschaftsbericht ab, stellt aktuelle Themen vor und stellt sich alle zwei Jahre einer Wahl. Hier können die Mitglieder des Vereins ganz wesentlich über die Ausrichtung der Arbeit der UDL mitbestimmen. Wenn von den über 200 Mitgliedern meistens mehr als ein Viertel an der Veranstaltung teilnehmen, ist das ein gutes Zeichen!
Wer kontinuierlich im Verein der UDL mitarbeiten möchte, kann das zum Beispiel als Mitglied des Hörerrates tun. Dieser besteht aus bis zu 20 Personen, die sich mehrfach in der Vorlesungszeit treffen, um aus dem Lehrangebot der Universität geeignete Vorlesungen für die Hörerschaft der UDL auszuwählen. Außerdem organisieren Mitglieder des Hörerrats jeweils zu Beginn der Vorlesungszeit eine Einführungsveranstaltung für neue Hörerinnen und Hörer.
Nicht zuletzt gibt es natürlich auch die Möglichkeit, im Vorstand des Vereins mitzuarbeiten. Dem Vorstand gehören zurzeit sieben Mitglieder an, die jeweils für eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt werden. Die nächsten Wahlen finden im Oktober 2027 statt.

Das Wintersemester steht vor der Tür. Was bietet das Programm Besonderes im Jubiläumsjahr?
Wie oben schon erwähnt, möchten wir das Angebot für unsere Hörer fachlich erweitern. Schon in diesem Sommer hatten wir einen eigenen Beitrag zur Soziologie, bezogen auf Einsamkeit im Alter, und setzen die Reihe im Winter fort mit Betrachtungen zu Sozialen Systemen und zur Kommunikation (Prof. Dr. Hans-Jürgen Hohm). Ein neuer Dozent der UDL, der Psychologe Prof. Dr. Michael Buchholz, bietet über zwei Semester Beiträge zur Psychoanalyse, von der Entstehung über die Entwicklung bis zur Erwartung künftiger Möglichkeiten aus heutiger Sicht. Zum ersten Mal werden wir unter dem Titel „Wege in die Stadt von morgen“ auch ein etwas anderes Thema anbieten: Mensch und Umwelt, monetäre und nicht-monetäre Märkte, Klima- und Ressourcenschutz. Alle Aspekte werden auf Kommunen bezogen, insbesondere auch auf Göttingen (Stefan Schridde).
Prof. Dr. Joachim Reitner setzt im Wintersemester mit der Vorlesung „Afrika trifft Europa – Geologie der Alpen“ Beiträge zur Geowissenschaft fort. Und für das kommende Sommersemester bereitet Prof. Dr. Michael Seibt erstmals eine Vorlesung zur Experimentalphysik vor.
Diese neuen Angebote ergänzen die beliebten Fachgebiete, die ebenfalls mit reizvollen neuen Themen aufwarten.
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