Blinder Fleck

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten, im Jahr 2050 werden es voraussichtlich mehr als drei Viertel sein. Bis zum Ende des Jahrhunderts werden Megastädte mit 50 bis 100 Millionen Einwohner*innen prognostiziert, die vor allem im globalen Süden entstehen werden. Prof. Dr. Ran Hirschl vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Göttingen konstatiert, dass weder Verfassungstheorie noch -praxis dieser rasanten Entwicklung Rechnung tragen. Mit seinem neuen Buch fordert er ein neues Denken über Konstitutionalismus und Urbanisierung ein.

In sechs Kapiteln legt er die Gründe für den „konstitutionellen blinden Fleck“ in Bezug auf Metropolen dar, untersucht die verfassungsrechtlichen Beziehungen zwischen Staaten und (Mega-)Städten weltweit und analysiert die Muster des konstitutionellen Wandels und des Stillstands im Stadtstatus. Mit neuen Argumenten plädiert er dafür, den Metropolen eine angemessene verfassungsrechtliche Stellung einzuräumen und gleichzeitig die Kluft zwischen Stadt und Land abzuschwächen.

Hirschl gilt als einer der weltweit führenden Wissenschaftler der vergleichenden Verfassungsforschung. Er ist seit 2016 als Alexander von Humboldt-Professor für Vergleichenden Konstitutionalismus an der Universität Göttingen tätig, nachdem er mit dem Internationalen Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet wurde. Außerdem forscht er als Max Planck Fellow am Göttinger Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften.

Ran Hirschl: City, State – Constitutionalism and the Megacity, Oxford University Press 2020, 224 Seiten, ISBN 9780190922771, 29,95 Euro https://global.oup.com/academic/product/city-state-9780190922771?cc=de&lang=en&#

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