Ins Netz gegangen – eine spezielle Frosch-Falle?

Eine Spinne aus dem Genus Damastes hat einen Frosch der Art Heterixalus andrakata gefangen. Credit. Dominic Martin

Dass ein Frosch eine Spinne frisst, verwundert wohl kaum jemanden. Dass aber eine Spinne einen Frosch frisst, hingegen schon. Dominic Martin aus der Abteilung Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie der Universität Göttingen hat gemeinsam mit Thio Rosin Fulgence und weiteren Kolleg*innen eine überraschende Entdeckung gemacht: eine erstaunliche Umkehr des Jäger-Beute-Schemas auf Madagaskar.

Was genau haben Sie beobachtet?
Wir waren früh morgens unterwegs, um in der Umgebung des Dorfes Ambodiala in Nordost Madagaskar eine Vogelzählung durchzuführen. Am Ende der Zählung entdeckten wir die Spinne, wie sie den Frosch in den Fängen hielt. Sie tat dies auf zwei zusammengewobenen Blättern, in welche sie sich dann mit dem Frosch zurückzog. Die Beobachtung war also komplett zufällig. Danach konnten wir noch an drei weiteren Stellen, auch in einem anderen Dorf, diese zusammengewobenen Blätter mit einer Spinne der gleichen Art darin finden.

Eine Spinne aus dem Genus Damastes hat einen Frosch der Art Heterixalus andrakata gefangen. Credit. Dominic Martin
Eine Spinne aus dem Genus Damastes hat einen Frosch der Art Heterixalus andrakata gefangen. Credit. Dominic Martin
Eine Spinne aus dem Genus Damastes hat einen Frosch der Art Heterixalus andrakata gefangen. Credit. Dominic Martin
Von links nach rechts: Dominic Martin (Zweitautor, Doktorand Universität Göttingen), Fano Ratsoavina (Co-Autorin, Research group leader Universität Antananarivo, Madagascar), Thio Rosin Fulgence (Erstautor, Doktorand Universität Antananarivo, Gaststudent Universität Göttingen). Credit: privat

Hat Sie die Beobachtung überrascht?
In dem Moment waren wir natürlich überrascht und fasziniert von dem Ereignis. Allerdings ist diese Umkehr des Jäger-Beute-Schemas gewöhnlicher, als man zunächst denkt. Es sind einige Fälle von Spinnen dokumentiert, die Wirbeltiere verzehren. So gibt es Spinnen, die in großen Spannnetzen nicht nur Insekten, sondern ab und zu auch kleine Kolibris oder Fledermäuse fangen. Zudem gibt es mehrere Arten von größeren Spinnen, die primär auf dem Boden unterwegs sind und unter anderem auch Frösche und andere kleine Wirbeltiere erbeuten.

An dieser Beobachtung ist speziell, dass die Spinnen möglicherweise die Blätter als Falle zusammenweben. Diese Fallen könnten spezifisch für den Fang von kleinen Fröschen ausgelegt sein – allerdings fehlen dazu systematische Beobachtungen. Für diese Theorie spricht, dass kleine Frösche in der Region sehr häufig sind und mehrere Arten tagsüber zwischen Blättern Schutz vor dem Austrocknen und vor Fressfeinden wie Vögeln suchen. Auf der Suche nach solch schattigen und geschützten Plätzen würden sich die Fallen der Spinnen anbieten.

Was bedeutet die Beobachtung für künftige Forschungsprojekte?
Künftige Forschung könnte Videofallen verwenden, um den Zweck der zusammengewobenen Blätter genauer zu erforschen und zu sehen, welchen Anteil der Nahrung von Spinnen die Frösche ausmachen. Falls es sich zeigen würde, dass sich die Spinnen auf Frösche spezialisiert hätten, wäre das, soweit wir wissen, das erste Beispiel von Spinnen, die sich auf Wirbeltiere spezialisiert hätten. Alle anderen dokumentierten Fälle von Spinnen, die Wirbeltiere verzehren, sind nicht spezialisiert und zufällig. Solche Naturhistorischen Beobachtungen sind wichtig, um die Vielfalt der Lebensstrategien auf der Erde zu dokumentieren.

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