Hochauflösend und zerstörungsfrei

Nach rund drei Jahren Entwicklungszeit hat die Histomography GmbH, eine Ausgründung der Universität Göttingen, ihr erstes 3D-Röntgenmikroskop an einen Kunden ausgeliefert. Das kompakte Gerät basiert auf Röntgen-Phasenkontrasttomografie und ermöglicht es, Gewebeproben dreidimensional und zerstörungsfrei darzustellen – eine Technologie, die es in dieser Form bislang nicht gab. Bislang bot Histomography sie ausschließlich als Scan-as-a-Service an; mit der aktuellen Auslieferung steht nun erstmals ein eigenes Gerät bei einem Nutzer vor Ort – ebenfalls in Göttingen.

Die Technologie geht auf Forschung der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Tim Salditt am Institut für Röntgenphysik der Universität Göttingen zurück. Im Jahr 2023 gründete ein Team um Dr. Matthias Bartels, Dr. Jens Hansen, Dr. Marius Reichardt und Dr. Aike Ruhlandt das Unternehmen, um die Methode der Phasenkontrast-Röntgentomografie von Gewebe aus dem Labor in die Anwendung zu bringen – zunächst in der akademischen und pharmazeutischen Forschung, längerfristig auch in der klinischen Diagnostik.

„Wir bieten die Technologie bereits weltweit als Scan-as-a-Service an – umso schöner ist es, dass jetzt das erste eigene Gerät hier in Göttingen installiert wird, wo alles entwickelt wurde“, sagt Dr. Matthias Bartels, Mitgründer und CEO von Histomography. „Das ist ein Meilenstein für unser Unternehmen und belegt, dass Göttingen als Life-Science-Standort nicht nur exzellente Forschung hervorbringt, sondern auch die daraus entstehenden Startups vor Ort hält und stärkt. Die Auslieferung zeigt außerdem, wie vielseitig die Einsatzmöglichkeiten sind: von der biologischen Grundlagenforschung über die pharmazeutische Forschung bis hin zur Medizin. Unser Verfahren ergänzt die bestehende Bildgebung um schnelle und unkomplizierte 3D-Aufnahmen von Gewebe.”

Das Gerät wurde angeschafft von der Abteilung von Prof. Dr. Jochen Rink am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen. „Wir erforschen, warum manche Plattwürmer (Planarien) ihren gesamten Körper regenerieren können, während andere Arten diese Fähigkeit teilweise oder vollständig verloren haben“, sagt Rink. „Dafür sammeln wir Planarienarten aus aller Welt und beschreiben ihre Vielfalt. Eine zuverlässige Artbestimmung erfordert den Vergleich der inneren Anatomie, die bislang meist nur durch aufwendige und zerstörerische histologische Verfahren untersucht werden konnte. Mit dem System von Histomography können wir die 3D-Architektur des Gewebes hochauflösend und zerstörungsfrei sichtbar machen. Diese neue Technologie eröffnet vielversprechende Möglichkeiten für die Beschreibung neuer Arten und zahlreiche weitere Fragestellungen in der Planarienforschung. Dass wir dafür mit Histomography einen hochkompetenten Partner direkt am Göttingen Campus gefunden haben, mit dem wir die Technologie gezielt für diese Anwendung weiterentwickeln können, ist ein großer Gewinn.“

Das Unternehmen ist international bereits mit weiteren Interessenten im Gespräch; die nächste Installation ist noch in diesem Jahr in London geplant. Die Entwicklung wurde unter anderem durch einen EXIST-Forschungstransfer am Institut für Röntgenphysik sowie mit Unterstützung durch das HTI Life Science Valley Göttingen und die NBank gefördert. Histomography beschäftigt heute neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Luttertal 72 in Göttingen und bereitet aktuell eine Seed-Finanzierungsrunde vor.

https://histomography.com/

Von Göttingen nach Göttingen: Das erste von Histomography ausgelieferte 3D-Röntgenmikroskop steht im Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften. Links Prof. Dr. Jochen Rink (MPI), rechts CEO Dr. Matthias Bartels.
Foto: Histomography

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