Für Teilhabe und gegen Machtmissbrauch

Gleichstellungsbeauftragte Dr. Doris Hayn – Foto: Universität Göttingen/Christoph Mischke

Der Senat der Universität Göttingen hat die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Doris Hayn erneut in ihrem Amt bestätigt. Sie ist seit 2012 hauptberufliche Gleichstellungsbeauftragte der Universität und Leiterin der Stabsstelle Chancengleichheit und Diversität. Ihre dritte Amtszeit beträgt acht Jahre und hat Mitte April 2026 begonnen. Hier berichtet sie über ihre Ziele.

Frau Hayn, aus Ihrer langjährigen Erfahrung: Was sind die beiden zentralen Ansatzpunkte für Chancengleichheit und Diversität an einer Volluniversität?

Chancengleichheit und Diversität ist Querschnittsaufgabe, deshalb muss an vielen Punkten gleichzeitig angesetzt werden. Zentral ist, die einzelnen Menschen im Blick zu haben und zugleich die Institution mit ihren Strukturen und ihrer Kultur. Es gilt immer wieder zu prüfen, welche strukturellen und kulturellen Bedingungen für wen förderlich, für wen potentiell hinderlich sind. Wie können wir Teilhabe und Weiterentwicklungsmöglichkeiten für alle unabhängig von individuellen Voraussetzungen und Lebenssituationen sicherstellen, sodass wir uns guten Gewissens als chancengerechte und inklusive Organisation bezeichnen können? Welche Förder- und Ausgleichsmaßnahmen brauchen wir für welche Gruppen oder letztlich für alle? Lösungen umzusetzen ist Gemeinschaftsaufgabe, gerade in einer Volluniversität. Denn die konkreten Studien-, Forschungs- und Arbeitsbedingungen gestalten wir alle gemeinsam mit, in Lehrveranstaltungen, Büros, Laboren und Werkstätten.

Was haben Sie sich für Ihre dritte Amtszeit vorgenommen?

Ich will die Veränderung der Führungs- und Betreuungskultur noch stärker vorantreiben. Hintergrund sind Meldungen von Machtmissbrauch und eine Studie zu Promotionsabbrüchen, die dringlichen Handlungsbedarf aufzeigt. Mir geht es dabei sowohl um Sanktionierung von Grenzüberschreitungen und Diskriminierung im konkreten Fall als auch um die Etablierung einer gleichstellungs-, vereinbarkeits- und diversitätsorientierten Führung in der Breite. Ansonsten werde ich in meiner dritten Amtszeit an der Bandbreite meiner Aufgaben weiterarbeiten. Vorgenommen habe ich mir auch, die kollegiale Zusammenarbeit mit dem Personalrat, dem AStA und weiteren Interessenvertretungen zu intensivieren.

Sie wurden nun auch als Vorstandsmitglied der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen in Niedersachsen (lakog) wiedergewählt. Wie nutzen Sie Ihr Engagement auf Landesebene für Ihre Aufgaben in Göttingen?

Auf Landesebene arbeiten wir aktuell an der Stärkung von Gleichstellung, Vereinbarkeit und Diversität einschließlich Diskriminierungsschutz in den Novellierungen des Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetzes und des Niedersächsischen Hochschulgesetzes – wenn wir erfolgreich sind, wirkt das direkt in die Universität Göttingen. In der Dialoginitiative Geschlechtergerechte Hochschulkultur, ein Format, in dem die lakog zusammen mit der Landeshochschulkonferenz und dem Ministerium die strategische Weiterentwicklung der Gleichstellungsarbeit vorantreibt, engagiere ich mich bei der Entwicklung von Handlungsempfehlungen zu intersektionaler Gleichstellungsarbeit. Diese sollen dabei unterstützen, Gleichstellung der Geschlechter noch stärker mit Aspekten wie ethnischem und sozialem Hintergrund, Alter, sexueller Orientierung, Religion, Behinderung zu verbinden. Das ist eine Aufgabe, mit der die Universität Göttingen begonnen hat, wo es aber noch Luft nach oben gibt – das wurde gerade auch bei der Begutachtung der Exzellenzuniversitäten betont.

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