Reise nach Arabien

Illustration von Carsten Niebuhr: Kriegsübungen der Araber in Yemen – Digitalisat: Martin Liebetruth

Der Göttinger Mathematiker und Kartograf Carsten Niebuhr brach Anfang 1761 nach Arabien auf. Er war Mitglied einer wissenschaftlichen Expedition und kehrte als einziger Überlebender nach sieben Jahren zurück. Sein Reisebericht mit zahlreichen Illustrationen gilt als Inbegriff der Göttinger Aufklärung. Was macht die Reise und die Erkenntnisse so besonders?

Alles begann einige Jahre zuvor mit einer Idee des Göttinger Orientalisten Johann David Michaelis. Er war überzeugt, dass die arabische Welt sich seit der Antike kaum verändert habe. Von einer Expedition dorthin versprach er sich daher, die biblischen Ursprünge des Christentums zu erforschen und die Beschreibungen von Orten, Natur, Alltag und Kultur im Alten Testament besser verstehen zu können.

Das Expeditionsteam mit Experten unterschiedlicher Fachgebiete bekam von Michaelis einen umfangreichen Fragenkatalog übermittelt. Darunter waren beispielsweise Fragen zu Flora und Fauna, zu geografischen Gegebenheiten, zu Nahrungsmitteln und zur Form der Hütten der Beduinen.

Aus Sicht der Bevölkerung

Niebuhr hatte bei Michaelis aus alten Texten Arabisch gelernt und sollte als Kartograf Orte und Erlebtes mit dem Stift festhalten. Die Reise führte ihn über Konstantinopel und Kairo in den Jemen, quer durch Arabien bis nach Indien. Dabei merkte er schnell, dass Michaelis‘ Annahme von der dortigen alten Welt nicht stimmte. Niebuhr nahm die Veränderungen wahr und dokumentierte fleißig die neuen Eindrücke. Zwar suchte Niebuhr auch nach Antworten auf die Fragen von Michaelis, der Fokus seiner Aufzeichnungen veränderte sich aber deutlich.

Niebuhr wollte Arabien aus der Sicht der dort lebenden Bevölkerung beschreiben. Dies gelang ihm, indem er sich der Lebensweise, Sitten und Gebräuche der jeweiligen Länder anpasste, sich entsprechend kleidete, verschiedene arabische Dialekte lernte und mit den Menschen ins Gespräch kam. Damit erweiterte er nicht nur das Wissen über Arabien enorm, sondern überlebte auch Malaria und weitere Erkrankungen – was den anderen Expeditionsteilnehmern nicht gelang.

Nach seiner Rückkehr veröffentlichte Niebuhr seine Erlebnisse und neuen Erkenntnisse in reich illustrierten Bänden. Seine Radierungen und Kupferstiche geben uns bis heute Aufschluss über damalige Städte, Handel und Handwerk, Landschaften, Kleidungen und Kopfbedeckungen sowie Bräuche und Ereignisse.

Moderne Reproduktionen von 30 dieser Illustrationen sind noch bis 17. Juli 2026 in der ImFlurGalerie des Göttinger Verlags für Kunst, Geiststraße 11, zu sehen. Die Ausstellung „Seeing things their way – Carsten Niebuhr und die ,Arabische Reise‘“ wird von Dr. Brian Kjaer Olesen kuratiert. Der Historiker forscht derzeit mit einem EU-Stipendium am Moritz-Stern-Institut unserer Universität. Mehr zur Ausstellung ist hier und hier zu finden.

In der Ausstellung: Illustration von tanzenden Frauen – Foto: Brian Kjaer Olesen
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